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Die Sache mit der Religion

Warum Religion?   

Unterschiedliche religiöse Überzeugungen erweisen  sich bis heute als Kristallisationspunkte für Konflikte, die nicht selten in kriegerischen Auseinandersetzungen mündeten. Ungeachtet dieser historischen Bürde hat sich aber gezeigt, dass Religion ein unverzichtbarer Bestandteil der menschlichen Kultur ist.

Wie können wir die Aufgaben und Ziele der Religionen so definieren, dass sie im Leben des Einzelnen und bei der Entwicklung der Gesellschaft weiterhin eine tragende und positive Rolle spielen?

Jeder Mensch hat Sehnsucht nach einem Zustand in dem er  sich frei, sicher und glücklich fühlt. Das heißt auch frei sein von Leid, von Krankheit, von Schuld, frei auch von der Angst vor dem Tod. Religionen sprechen dann von „Erlösung“.

Menschen erfahren  sich aber als unvollkommen. Sie machen Fehler, Sie laden Schuld auf sich. Einiges von dem, was sie sich vornehmen, gelingt nicht oder nur unvollständig. Religionen versuchen, dem Menschen Wege zu zeigen, die ihn aus diesem oft leidvollen Zustand heraushelfen sollen. Sie möchten ihm Hilfen und Helfer bieten, die ihm den Weg zur Erlösung ebnen.

Was können und sollen wir von Religionen erwarten?

Zuallererst bieten sie uns Deutungen und Erklärungen für unsere eigene Existenz an. Wo liegt der Ursprung unserer Existenz? Was ist der Zweck unseres Lebens?

Religionen können uns helfen, unsere  Spiritualität zu entwickeln, damit wir  Krisen bewältigen und mit Ängsten umgehen können. Glaubenspraktiken und Rituale, die alle Religionen kennen, wie Meditation, Gebet oder Seelsorge  fördern die Selbstannahme.

 Die Religion bietet Wertmaßstäbe zur Orientierung und Beurteilung von Verhaltensweisen und Lebensziele.

Religion wirkt  durch Gottesdienste und Zeremonien identitätsstiftend und gemeinschaftsbildend.

Religion gehen über die begrenzte, körperliche Existenz hinaus und vermitteln dem Gläubigen ewige Werte, die auch sein Handeln im täglichen Leben leiten.

Religion – der Name ist Programm

Wenn wir dem Begriff „Religion“, der aus dem lateinischen stammt, auf den Grund gehen, lassen sich wichtige Schlussfolgerungen ziehen hinsichtlich Zweck und Aufgabe der Religionen.

Wir unterscheiden drei grundlegende Möglichkeiten der Übersetzung.

  1. „RELIGIO“ (lateinisch) abgeleitet von „RE-LIGARE“ = rückbinden
    Der Mensch, der von Gott* und seinem eigenen ursprünglichen Wesen entfremdet ist, soll durch die Religion die Verbindung zu seinem Schöpfer wiederfinden und damit wahres Menschsein erfahren.

    Was sollen Religionen in uns bewirken? Wir sollen angesprochen werden, uns  betroffen und berührt fühlen von der Liebe und Fürsorge Gottes.  Es ist möglich, die Liebe Gottes, die Geborgenheit bei Gott, das Angenommen-Sein zu erfahren.

  2. „RELIGIO“ abgeleitet von „RE-LEGERE“ = wieder lesen:
    durch die Religionen merken und erkennen die Menschen, dass es jemanden/ etwas gibt, das außerhalb seiner selbst ist und das größer und mächtiger ist als er.
    Wir stehen mit dieser Erkenntnis aber nicht allein. Alle Menschen, die je gelebt haben, können von solchen Erfahrungen berichten. Diese Erfahrungen sind aufgeschrieben worden in den Heiligen Schriften der Religionen – wir können sie nachlesen, sie wieder-lesen – und uns selbst darin wieder finden und Kraft und Inspiration daraus schöpfen.

  3. „RELIGIO“ abgeleitet von „RE-ELEGERE“ = wieder erwählen:
    Aus diesen Erfahrungen (vgl. re-legere, re-ligare) sagt der Mensch nun von sich aus Ja zu Gott.
    Er nimmt an religiösen Zeremonien teil, es werden ihm die Sakramente gespendet und dadurch will er eine neue Identität als Kind Gottes und Teil einer Weltfamilie annehmen.
Religion ist nur ein Mittel, um das Reich Gottes, die ideale Welt, herbeizuführen, und kein Zweck an sich.

*Gott steht hier gleichermaßen für Jehova, Allah, Schöpfer, ...

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